Klettern
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Klettern ist mit einigen Vorurteilen belastet:
Alle diese Aussagen sind falsch. Allein die Tatsache, daß wir viele technische Hilfsmittel verwenden, zeigt bereits, wie sehr wir an unserem Leben hängen. Im Sportklettern wird das Verletzungsrisiko durch ausreichend Zwischensicherungen im Fels so minimiert, daß man Jahrelang ohne Verletzungen klettern kann. Andere Sportarten wie Fußball und Handball bergen bestimmt ein höheres Verletzungsrisiko als das Sportklettern. Dicke Arme sind keine Voraussetzung für den Klettersport, weil es beim klettern viel mehr um das Steigen, also um die Beinarbeit geht. |
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Die meiste Hubarbeit am Felsen wird über die Füße erledigt, wobei die Arme primär dazu eingesetzt werden, nicht von der Felswand weg zu kippen. Mir ist niemand bekannt, der in der lage wäre, sich eine 20-30 Meter hohe Wand ausschließlich an den Armen hochzuziehen. Nur an vereinzelten Stellen ist außergewöhnliche Armkraft erforderlich, jedoch wird man solche Stellen erst nach Jahren klettern können. Das Sportklettern findet zumeist in den Mittelgebirgen an Felsen mit guter Absicherung (eingebohrten Metallhaken in der Wand) und Wandhöhen um 30 Meter statt. In die Alpen muß man dazu nicht. Die wenigsten Kletterer sind Extremsportler, vielmehr handelt es sich um ganz normal gebaute Menschen, die versuchen, ihre Pfunde die Wand hoch zu bekommen. Die weltbesten Kletterer, die in den Medien gezeigt werden sind hier ebensowenig das Maß aller Dinge, wie die Radrennprofis für einen Hobbyfahrradfahrer. Das Freiklettern - auch auf Englisch Freeclimbing genanng (gesprochen Friiklaiming) - wird mit Seilsicherung gemacht. Das freie Klettern bezieht sich darauf, daß die Fortbewegung nur mit natürlichen Strukturen am Fels erfolgt und keine technischen Hilfsmittel dazu verwendet werden. Das Seil ist nur für den Notfall da und soll mögliche Stürze vermeiden.
Wozu überhaupt klettern? Im Sommer 2001 wurde ich das erste Mal eine 15 Meter hohe Wand hochgescheucht, hatte höllisch Angst und wußte überhaupt nicht, wozu ich das überhaupt machen sollte. Ein weiteres halbes Jahr verschwendete ich keine Zeit, überhaupt über diesen Sport nachzudenken. Auf Wunsch meiner Freundin begab ich mich dann doch gelegentlich in eine Kletterhalle und entdeckte sehr schnell die Faszination des Kletterns: Zu einen geht es natürlich um Bewegung, die jedem Menschen gut tuen kann. Doch im Kern dreht sich der ganze Klettersport nur um Thematik, den eigenen Körperschwerpunkt zu erfahren und zu kontrollieren. Damit verbunden ist ein nicht zu verschweigendes Risiko, abzustürzen und eine ausgeprägte Angst vor der Höhe, die uns Menschen nunmal in die Wiege gelegt ist. Sich mit den eigenen Ängsten und Grenzen auseinanderzusetzen, diese zu erkennen und damit zu arbeiten ist eine Herausforderung. Auch bietet das Klettern die Möglichkeit, sich so auf den Sport zu konzentrieren, daß man alles andere dabei vergißt. Ein sehr schöner Ausgleich also für ein anstrengendes Berufsleben. Klettern ist ein Sport, in dem alle Muskelgruppen gefordert sind und der Kopf die zentrale Rolle spielt, wie diese eingesetzt werden können. Auch bietet das Klettern nahezu unendliche Steigerungsmöglichkeiten, die von den wenigsten Sportlern ausgeschöpft werden. Seit nun 6 Jahren bin ich dem Klettersport treu und hoffe, dies auch noch viele Jahre weiter betreiben zu können. Jörg Abendroth |
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